Donnerstag, 20. November 2008

Zwei Welten treffen sich...

Es ist immer wieder erstaunlich, wie anstrengend es ist, längere Zeit eine Fremdsprache zu sprechen. Das ist mir schon in Frankreich aufgefallen, und auch gestern abend bin ich um neun Uhr hundemüde ins Bett gefallen. Die ganze Zeit englisch zu sprechen und sich darauf zu konzentrieren um es zu verstehen (zudem sprechen die Nigerianer auch mit einem recht starken Akzent) macht unwahrscheinlich müde.

Dazu kommt noch die Wärme und die Luftfeuchtigkeit, an die ich gar nicht gewöhnt bin. Wahrscheinlich ist das schon in einer Woche oder so besser.

Wir waren gestern bei einem Freund von Papa eingeladen, zur Abschiedsfeier für ein junges Paar, das hier bald weggeht. Die wohnen alle im Shell Camp, weil sie direkt bei Shell angestellt sind, und es ist unglaublich, was das für einen Unterschied macht.

Wenn man durch die Straßen (sofern man sie so nennen kann) von Port Harcourt fährt, kann man kaum fassen wie die Leute hier leben.
Überall ist Müll und Dreck, die Dächer der Hütten, wenn sie überhaupt welche haben, sind provisorisch ausgebessert, die meisten Häuser sind verlottert.Die Autos sind zerkratzt, zerbeult und bei einigen wundert man sich, dass sie nicht auf der Stelle in tausend Stücke fallen - und so wie sie fahren, müssten sie noch schlimmer aussehen.

In den Straßen, die vor ungefähr zwei Jahren neu gemacht wurden, sind so tiefe Schlaglöcher, dass man mit dem Auto fast anhalten muss um darüber fahren zu koennen.



(um die Bilder zu vergrößern einfach anklicken)

Das sind Bilder, die Papa mal gemacht hat, leider klappt das mit meinen eigenen Bildern noch nicht. Aber ungefähr so und schlimmer könnt ihr es euch vorstellen.

Also ueber solche Strassen faehrt man dann auf dem Weg zum Shell Camp. Dort muss man einen Pass vorzeigen, weil da nicht jeder rein darf. Und dort wohnen die Experts ungefaehr so:


Ein Paradies!

Es ist unfassbar, dass das beides nebeneinander liegt und man nicht beim Tor durch einen magischen Teleporter in eine ganz andere Welt gelangt.

Nachdem wir uns gestern abend verabschiedet hatten und nach haus gefahren sind, hat Papa kurz mit einem Verkaufer gegenuber von seinem Haus geredet. Als er sich dann verabschiedet hat, entgegnete der kleine Junge des Verkäufers ganz höflich "Good night, white man!" - normalerweise wird "Oyibo" gesagt, was angeblich "Mann ohne Haut" bedeutet...

3 Kommentare:

Traumwandler hat gesagt…

Ja, ich weiß, dass es sich blöd anhört.
Ja, ich weiß, dass die Firmen es für nötig halten.
Aber ganz ehrlich? Wenn ich die gegensätzlichen Bilder so batrachte, dann muss ich sagen, dass ich den Unmut der Bevölkerung teilweise verstehen kann.

Um es noch mal zu betonen:
Ich habe gesagt den Unmut, nicht die daraus resultierenden Reaktionen.

Khaaro hat gesagt…

Ich glaube, das hat weniger mit dem Reichtum der Firmen zu tun: Die Pflanzen und so wachsen ja nicht, weil man sie dafür bezahlt.
Natürlich kann man umso mehr daraus machen, wenn man Geld reinstecken kann, klar. Aber überall da, wo die Gegend wild gelassen wird, ist es genauso paradiesisch. Das hat eher was mit dem Verständnis bzw. eben dem Unverständnis dafür zu tun.

Traumwandler hat gesagt…

Ich meinte nicht die finanziellen Mittel, die die Firmen investieren, sindern das Anlegen und Pflegen dieser Anlagen, um ausländischen Mitarbeitern ein angenehmeres Arbeits-/Lebensklima zu schaffen.
Und ich denke es ist wirklich nötig solche Anreize zu schaffen, denn was nützt dir alles Geld, das du verdienen kannst, wenn du in tristen Wellblechhütten wohnen muss?