Unglaublich: Ich bin wirklich in Nigeria angekommen...
Wer jetzt glaubt, damit beginnt meine Reise, irrt sich gewaltig. Ich habe schon eine halbe Odyssee hinter mir.
Zuerst brauchte ich ein Visum. Wie man das bekommt, wusste ich auch nicht.
Gut, dass die Nigerianische Botschaft eine so informative Internetseite hat – weitergeholfen hat sie mir aber nicht. Schade...
Glücklicherweise konnte mein Vater mir die Nummer von der Dame geben, die sich um die Visa für ihn gekümmert hat und die mir helfen konnte: Erst den Online- Fragebogen ausfüllen, per Kreditkarte bezahlen und dann – da kommt man nicht drum ’rum - mit ungefähr Fünfundzwanzigtausend Unterlagen nach Berlin fahren, um das Visum abzuholen.
Nach einigen Versuchen hatte ich den Server der Nigerianischen Botschaft auch so weit, dass ich die 48 Dollar bezahlen konnte, sodass ich dann auch einen Interview-Termin 3 Tage später bekam, an dem ich nach Berlin kommen sollte.
Allerdings brauchte meine Mama ja auch ein Visum – und da hat sich der Server aber endgültig geweigert. Entweder war die Seite für die Visa gar nicht aufrufbar, oder – wenn man dann endlich mal auf der Seite war und den dreiseitigen Fragebogen endlich ausgefüllt hatte – gab es eine Fehlermeldung.
Als ich es endlich geschafft hatte konnte die Bezahlung nicht bestätigt werden – obwohl das Geld schon vom Konto abgebucht war.
Weder Google noch die Seite der Botschaft konnte mir erklären wieso, aber solange die Zahlung nicht bestätigt wurde, gibt es auch keinen Interview-Termin
Aber wieso sollten wir je einzeln nach Berlin fahren?
Also habe ich versucht, jemanden zu erreichen, der mir einen Termin für meine Mama und mich zusammen gibt – und erkannte, welch fleißige Workaholics deutsche Beamte sind...
Unter der Telefonnummer für Visa-Angelegenheiten konnte ich gar niemanden erreichen und die Dame, die unter der allgemeinen Nummer abnahm, erklärte mir mit vollem Mund, dass sie mir nicht helfen könne, da sie dafür ja nicht zuständig sei.
Grandios.
Aber sie konnte mir eine Nummer für Visa-Angelegenheiten nennen, die auf der Internetseite sinnvollerweise nicht zu finden war und unter der mir jemand sagen konnte, dass ich ruhig erst zu Mamas Termin mitkommen kann.
Als ich ihn dann aber fragen wollte, warum die Zahlung meine Mutter nicht bestätigt wurde, verstand er mich falsch und wiederholte ‚etwas deutlicher’ „I
-SAID-YOU-CAN-COME-WITH-YOUR-MOTHER!!!“ sodass ich mich nicht mehr traute, ein weiteres Wort darüber zu verlieren.
Nach einigen Tagen des Hoffens und Grübelns bekamen wir wie durch ein Wunder doch noch eine Zahlungsbestätigung und einen neuen Interview-Termin am Freitag, den 1. November.
Bei einem Anruf in der Botschaft (der wieder mehrere Versuche kostete, versteht sich) um zu fragen, zu welcher Zeit wir an diesem Tag kommen sollten, erfuhren wir, dass die Botschaft am Freitag, den 1. November – an dem man uns einen Termin gegeben hatte – geschlossen hatte. Wie praktisch.
Wir mussten am Montag nach Berlin.
In der Botschaft bekam ich zu spüren, wie man sich zu DDR-Zeiten an den Grenzen gefühlt haben muss… Dagegen sind Flughäfen gar nichts.
Nachdem wir also einzeln (!!) eingetreten waren und Feuerzeuge, Mobiltelefone und ähnliches an der Rezeption abgegeben hatten, wurden wir weiter geschickt in den Warteraum.
Und zwar direkt: Völlig undenkbar meine Mama, die als erste gefilzt wurde, bei der Rezeption auf uns warten zu lassen.
Und wer käme auch nur auf den Gedanken, sich auf die weichen Sofas im Eingangsbereich zu setzen?! Wie konnten wir nur…
Im Warteraum gab es zwei Uhren: eine für die Zeit in Nigeria und eine, die die deutsche Zeit anzeigt – was eigentlich nur in Ländern Sinn macht, in denen es eine Zeitverschiebung gibt – was bei Deutschland und Nigeria nicht der Fall ist.
Aber interessanterweise zeigten die beiden Uhren trotzdem nicht dasselbe: Die deutsche Uhr zeigte 10:35, die nigerianische war bei 08:45 stehen geblieben.
Wie mein Vater vermutete stand diese Uhr wahrscheinlich schon sein einem Vierteljahr. Und es würde mich nicht wundern, wenn sie immer noch steht.
Rechts neben dem Schalter hing ein silberner Kasten an der Wand, an dem man auswählen konnte, weshalb man wartete (z.B. Visum, Reisepässe oder ähnliches) und auf Knopfdruck eine passende Nummer ziehen konnte.
Er war kaputt.
Und der Fernseher, auf dem eigentlich ein Film über den Botschafter Nigerias laufen sollte?
Dreimal dürft ihr raten...
Als wir an der Reihe waren, wurde eine Kopie von Papas GreenCard gefordert. Nicht, dass man diese Information auch auf die Internetseite hätte stellen können…
Und glaubt ja nicht, dass es in der Botschaft einen funktionierenden Kopierer gäbe!
Dafür einen Copyshop in der Nähe.
Als dann alle Unterlagen vollständig waren, wurde gesagt man würde uns die Pässe mit Visum in den nächsten 72 Stunden zusenden.
Es waren lange drei Tage, die sich noch länger anfühlten. Aber wir haben sie unerwarteterweise rechtzeitig zurück bekommen.
Die Flüge waren natürlich schon gebucht: Mit der Air France nach Paris und von dort nach Port Harcourt.
Aber die Piloten der Air France haben ja beschlossen, den demographischen Wandel der Zeit zu ignorieren und es völlig inakzeptabel zu halten, bis ins hohe Alter von 65 Jahren zu arbeiten. Also streiken sie.
Mitten in der Nacht von Sonntag auf Montag kam deshalb eine etwas seltsame SMS: Unser Flug nach Paris um 7:00 verzögere sich um eine Stunde.
Was dann allerdings mit dem Anschlussflug passieren würde, den wir eine Stunde später nicht mehr nehmen könnten, blieb aber fraglich, und es war auch nicht möglich, darüber Näheres zu erfahren.
Also mussten wir uns wohl oder übel in Ungewissheit morgens um 5:30 nach Hamburg begeben.
Doch wir hatten Glück: Wir konnten auf einen Flug der Lufthansa nach Paris umgebucht werden und waren so nach einem stressigen Hin- und Hergerenne noch rechtzeitig beim Boarding für den Flug nach Nigeria – der dann gestrichen wurde.
Also entweder eine Nacht im Marriotthotel in Paris und der Flug nach Port Harcourt am nächsten Tag oder aber Umbuchung auf den Flug an diesem Tag nach Lagos, eine andere nigerianische Stadt, in der wir dann auch in einem Hotel übernachten müssten, weil wir erst spät abends angekommen wären.
Für Papa, der sowohl den Standart der europäischen Hotels als auch den der nigerianischen kennt, gab es da kein langes Überlegen.
Also ein Tag Paris – wir haben das beste draus gemacht: Ein kleiner Ausflug nach Montmartre, zur Sacré Coeur.
Das war ein ganz schöner, wenn auch kühler Abend, denn wir hatten ja für das warme Afrika gepackt.
Beim Flug am nächsten Tag ging zur Abwechslung mal alles glatt, auβer dass ich mir – geschickt wie ich bekannterweise bin – mein halbvolles Glas über den Schoβ kippen musste. J
Als ich aus der Maschine herauskam habe ich mich geistesabwesend im ersten Moment gefragt, wieso das Flugzeug auβen so viel Wärme abstrahlt – bis mir bewusst wurde, dass die Luft einfach so warm ist. Daran habe ich mich noch immer nicht ganz gewöhnt – obwohl ich mir dessen ja schon vorher bewusst war. Es ist trotzdem einfach seltsam.
Die Fahrt vom Flughafen zu Papas Haus war wieder ein Abenteuer: Wo es in anderen Ländern Verkehrsregeln und -zeichen gibt, wird es in Nigeria gehupt, angeblinkt und gerufen.
Zwei Zentimeter Platz zum Vordermann reichen ja auch.
Und ist es nicht völlig logisch: Wenn man links fahren will, blinkt man links.
Wenn man rechts fahren will, blinkt man rechts.
Und wenn man geradeaus fahren möchte, blinkt man auf beiden Seiten: Also die Warnblinkanlage an – klar!
Papas Haus ist eigentlich ganz schön, aber darüber werden ich wann anders mal ausführlicher schreiben.
Ich habe ein eigenes Bad bei meinem Zimmer, aber duschen musste ich gestern trotzdem bei Papa, weil leider kein Wasser kam. Da muss nochmal ein Klemptner her.
Später hatte ich dann noch eine reizende Begegnung mit einer toten Kakerlake in meinem Bett... brr...
Diese Biester sind wirklich RIESIG!!!
Aber mein Papa hat mich ‚gerettet’ und ich konnte doch noch einschlafen.
Jetzt sitze ich im Impac Büro, und warte auf Arbeit.
Mittlerweile habe schon (fast) alle kennengelernt ... und die Namen wieder vergessen.
Das reicht wohl erstmal für den Anfang, und falls überhaupt jemand bis hierhin gelesen hat: Die nächsten Einträge werden wahrscheinlich kürzer sein. Oder mal sehen.
Bis dann.
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2 Kommentare:
Tja, hört sich das jetzt gut an?
So wie du es dir vorgestellt hast?
Ich weiß es nicht, aber ich hoffe, du genießt es!!!
Aber falls nicht, du weißt ja, dann...
Ha, ihr seid also angekommen!!
Hab mir schon ein wenig sorgen gemacht...
Hoffe ihr hattet einen schönen Tag in Paris. Ich genieße gerade mienen freien Tag, plage mich mit dem Pragmatismus und schiele auf meinen Adventskalender, der da auf mich wartet...
ICh freu mich auf den nächsten Eintrag. Kuss an Mama und Papa!!!
Missie
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